{"id":3386,"date":"2020-05-11T10:16:41","date_gmt":"2020-05-11T08:16:41","guid":{"rendered":"https:\/\/sbcud.net\/?p=3386"},"modified":"2020-05-11T10:16:41","modified_gmt":"2020-05-11T08:16:41","slug":"ratgeber-zum-thema-saisonarbeiterinnen-aus-polen","status":"publish","type":"post","link":"https:\/\/sbcud.net\/de\/ratgeber-zum-thema-saisonarbeiterinnen-aus-polen\/","title":{"rendered":"Ratgeber zum Thema: Saisonarbeiter*innen aus Polen"},"content":{"rendered":"<p><strong>Punkt 1<\/strong><\/p>\n<p><strong>Der Arbeitsvertrag meines Saisonmitarbeiters <\/strong><\/p>\n<p>Jeder Arbeitgeber in Deutschland ist gesetzlich verpflichtet, seinen Mitarbeiter*innen einen schriftlichen Arbeitsvertrag auszuh\u00e4ndigen. Dieser muss nicht in der Muttersprache des Arbeitnehmers\/der Arbeitnehmerin sein. Ein zweisprachiger Arbeitsvertrag kann allerdings die Kommunikation zwischen dem Vorgesetzten und der Saisonkraft erleichtern. F\u00fcr Ihre Saisonkr\u00e4fte aus dem Ausland gilt das deutsche Arbeitsrecht.<\/p>\n<p>Als Arbeitgeber denken Sie daran, dass der Arbeitsvertrag folgende Informationen beinhalten muss:<\/p>\n<ul>\n<li>Name und Anschrift des Arbeitgebers wie auch des Arbeitnehmers<\/li>\n<li>Beginn und vorhersehbare Dauer des Arbeitsverh\u00e4ltnisses<\/li>\n<li>Arbeitsort<\/li>\n<li>Beschreibung der T\u00e4tigkeiten<\/li>\n<li>H\u00f6he des Arbeitslohnes sowie ggf. Zuschl\u00e4ge und deren F\u00e4lligkeit<\/li>\n<li>Vereinbarte Arbeitszeit<\/li>\n<li>Dauer des Erholungsurlaubes<\/li>\n<li>Fristen f\u00fcr die K\u00fcndigung des Arbeitsverh\u00e4ltnisses<\/li>\n<li>Hinweis auf geltende Tarifvertr\u00e4ge<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Punkt 2<\/strong><\/p>\n<p><strong>K\u00fcndigungsfrist f\u00fcr Saisonarbeiter: Welche Fristen gelten?<\/strong><\/p>\n<p>Da es sich bei der Saisonarbeit nur um eine kurzfristige Besch\u00e4ftigung handelt, erhalten ihre Arbeitnehmer einen befristeten Arbeitsvertrag. Ohne die Angabe von weiteren Gr\u00fcnden endet dieser zum festgelegten Zeitpunkt. Weder der Arbeitnehmer noch sie als der Arbeitgeber muss daf\u00fcr eine K\u00fcndigung aussprechen.<\/p>\n<p>Wenn der Job fr\u00fchzeitig von dem Saisonarbeiter niedergelegt werden soll, muss die K\u00fcndigung in der Regel im Arbeitsvertrag durch eine entsprechende Klausel geregelt werden.<\/p>\n<p>Meistens muss eine K\u00fcndigungsfrist vom Saisonarbeiter bzw. befristeten Arbeitnehmer von zwei Wochen eingehalten werden. Diese kann zu einem beliebigen Tag erfolgen.<\/p>\n<p>Wird durch den Arbeitsvertrag eine beiderseitige K\u00fcndigung erm\u00f6glicht, kann diese auch vom Arbeitgeber ausgehen. Dieser hat sich ebenfalls an die gesetzlichen Fristen zu halten.<\/p>\n<p><strong>Punkt 3<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wie gestaltet sich der Urlaubsanspruch bei Saisonarbeit?<\/strong><\/p>\n<p>Wie sich der Anspruch auf Urlaub f\u00fcr Arbeitnehmer gestaltet, ist im Bundesurlaubsgesetz definiert.<\/p>\n<p>Jeder Arbeitnehmer erwirbt erst ein Recht auf den vollen Urlaubsanspruch, nachdem das Arbeitsverh\u00e4ltnis sechs Monate bestanden hat. Da die Saisonarbeit entweder auf 70 Arbeitstage oder drei Monate beschr\u00e4nkt ist, wenn sie als kurzfristige Besch\u00e4ftigung gelten soll, wird dieser Anspruch entsprechend niemals erworben.<\/p>\n<p>Dies bedeutet jedoch nicht automatisch, dass ihre Saisonarbeiter keinen Anspruch auf Urlaub haben.<\/p>\n<p>Da der gesetzliche Urlaubsanspruch bei einer F\u00fcnf-Tage-Woche bei 20 Tagen liegt und Arbeitnehmer pro Monat, in dem das Arbeitsverh\u00e4ltnis besteht, ein Zw\u00f6lftel des Jahresurlaubs freischalten, bedeutet dies f\u00fcr Saisonarbeiter:<\/p>\n<ul>\n<li>ein Monat Saisonarbeit: Urlaubsanspruch von zwei Tagen<\/li>\n<li>zwei Monate Saisonarbeit: Urlaubsanspruch von drei Tagen<\/li>\n<li>drei Monate Saisonarbeit: Urlaubsanspruch von f\u00fcnf Tagen<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Punkt 4<\/strong><\/p>\n<p><strong>Muss ein Saisonarbeiter eine Sozialversicherung haben?<\/strong><\/p>\n<p>Als Arbeitgeber sollen Sie beachten, dass Ihre Saisonarbeiter nicht per se von der Sozialversicherungspflicht befreit sind. Dies ist von unterschiedlichen Faktoren abh\u00e4ngig.<\/p>\n<p>Eine Befreiung der Versicherungspflicht ist m\u00f6glich, wenn die T\u00e4tigkeit im Rahmen einer 5-Tage-Woche f\u00fcr nicht l\u00e4nger als drei Monate bzw. 70 Arbeitstage ausge\u00fcbt wird und keine Berufsm\u00e4\u00dfigkeit vorliegt, d.h. dass die ausge\u00fcbte T\u00e4tigkeit nicht allein f\u00fcr die Sicherung des Lebensunterhalts bestimmt ist. Die Berufsm\u00e4\u00dfigkeit wird anhand von Nachweisen \u00fcber vorherige Besch\u00e4ftigungen \u00fcberpr\u00fcft.<\/p>\n<p><strong>Punkt 5<\/strong><\/p>\n<p><strong>M\u00fcssen bei Saisonarbeit Steuern gezahlt werden?<\/strong><\/p>\n<p>Auch wenn eine kurzfristige Besch\u00e4ftigung vorliegt, die auf maximal drei Monate oder 70 Arbeitstage begrenzt ist, muss das Arbeitsentgelt versteuert werden. Dabei ist es unerheblich wie viel der Arbeitnehmer verdient. Bei der Saisonarbeit muss mit Steuern von pauschal 25 % oder einem individuellen Steuersatz gerechnet werden.<\/p>\n<p>F\u00fcr eine Saisonarbeit in der Landwirtschaft kann unter bestimmten Voraussetzungen eine Lohnsteuerpauschale von f\u00fcnf Prozent anfallen. Dies ist der Fall, wenn Saisonarbeiter:<\/p>\n<ul>\n<li>nur f\u00fcr land- und forstwirtschaftliche Arbeiten eingesetzt werden<\/li>\n<li>nicht ganzj\u00e4hrige Arbeiten aus\u00fcben<\/li>\n<li>nicht zu ausgebildeten Fachkr\u00e4ften z\u00e4hlen<\/li>\n<li>nicht mehr als 180 Tage besch\u00e4ftigt werden<\/li>\n<li>nicht mehr als 12 Euro pro Stunde verdienen und<\/li>\n<li>nicht beim selben Arbeitgeber lohnsteuerpflichtig besch\u00e4ftigt sind.<\/li>\n<\/ul>\n<p><strong>Punkt 6<\/strong><\/p>\n<p><strong>Entlohnung in der Landwirtschaft<\/strong><\/p>\n<p>Seit dem 1. Januar 2019 gilt f\u00fcr alle Besch\u00e4ftigten in der Landwirtschaft in ganz Deutschland ein gesetzlicher Mindestlohn von zurzeit 9,19 EUR brutto. Ab dem 1. Januar 2020 liegt der Mindestlohn bei 9,35 EUR brutto.<\/p>\n<p>Dieser Lohn gilt f\u00fcr polnische Besch\u00e4ftigte wie auch f\u00fcr alle Saisonkr\u00e4fte aus dem Ausland.<\/p>\n<p><strong>Punkt 7<\/strong><\/p>\n<p><strong>Sind Akkord- und St\u00fccklohn zul\u00e4ssig?<\/strong><\/p>\n<p>St\u00fcck- und Akkordl\u00f6hne sind grunds\u00e4tzlich zul\u00e4ssig. Als Arbeitgeber m\u00fcssen sie allerdings gew\u00e4hrleisten, dass jede geleistete Arbeitsstunde mit dem aktuellen Mindestlohn pro Stunde entlohnt werden.<\/p>\n<p><strong>Punkt 8<\/strong><\/p>\n<p><strong>Dokumentation der Arbeitszeit<\/strong><\/p>\n<p>Denken Sie als Arbeitgeber daran, den Beginn, das Ende und die Dauer der Arbeitszeit einschlie\u00dflich der Pausen ordnungsgem\u00e4\u00df zu dokumentieren, um m\u00f6gliche Missverst\u00e4ndnisse zwischen Ihnen und Ihren Arbeitnehmern bzw. den Kontrollbeh\u00f6rden zu vermeiden.<\/p>\n<p><strong>Punkt 9<\/strong><\/p>\n<p><strong>Wann soll ich den Lohn auszahlen?<\/strong><\/p>\n<p>Als Arbeitgeber sind sie verpflichtet, den Lohn auf einer Lohnabrechnung zu dokumentieren.<\/p>\n<p>Er muss sp\u00e4testens am Ende des Folgemonats, in dem die Arbeit geleistet wurde, gezahlt werden. Alle tats\u00e4chlich geleisteten Arbeitsstunden m\u00fcssen dann ausgezahlt werden.<\/p>\n<p>Sollte mit dem Arbeitnehmer vereinbart werden, den gesamten Lohn erst am Ende der Saisonarbeit auszuzahlen, denken sie daran, w\u00f6chentliche oder monatliche Zwischenabrechnungen zu erstellen und ihrer Saisonkraft auszuh\u00e4ndigen.<\/p>\n<p><strong>Punkt 10<\/strong><\/p>\n<p><strong>Was nun mit den \u00dcberstunden?<\/strong><\/p>\n<p>Es gilt f\u00fcr sie, alle Arbeitsstunden \u2013 also auch \u00dcberstunden \u2013 auszuzahlen.<\/p>\n<p>Auch in der Landwirtschaft gilt bei einer sechs Tage Woche eine regelm\u00e4\u00dfige w\u00f6chentliche Arbeitszeit von 48 Stunden.<\/p>\n<p><strong>Punkt 11<\/strong><\/p>\n<p>Erkrankt ihr Saisonmitarbeiter unverschuldet und kann daher seinen Job nicht nachkommen, hat er laut Entgeltfortzahlungsgesetzes normalerweise einen Anspruch darauf, dass ihm sein Gehalt bei andauernder Krankheit maximal sechs Wochen lang weiterhin gezahlt wird.<\/p>\n<p>Dieser Anspruch wird jedoch erst erworben, wenn das Arbeitsverh\u00e4ltnis l\u00e4nger als vier Wochen ununterbrochen Bestand hatte. Wer also lediglich einen Monat lang als Saisonarbeitskraft t\u00e4tig ist, bekommt sein Gehalt im Krankheitsfall nicht weitergezahlt.<\/p>\n<p><strong>Punkt 12<\/strong><\/p>\n<p><strong>K\u00fcndigungsfrist f\u00fcr Saisonarbeiter: Welche Fristen gelten?<\/strong><\/p>\n<p>Da es sich bei der Saisonarbeit nur um eine kurzfristige Besch\u00e4ftigung handelt, erhalten ihre Arbeitnehmer einen befristeten Arbeitsvertrag. Ohne die Angabe von weiteren Gr\u00fcnden endet dieser zum festgelegten Zeitpunkt. Weder der Arbeitnehmer noch sie als der Arbeitgeber muss daf\u00fcr eine K\u00fcndigung aussprechen.<\/p>\n<p>Wenn der Job fr\u00fchzeitig von dem Saisonarbeiter niedergelegt werden soll, muss die K\u00fcndigung in der Regel im Arbeitsvertrag durch eine entsprechende Klausel geregelt werden.<\/p>\n<p>Meistens muss eine K\u00fcndigungsfrist vom Saisonarbeiter bzw. befristeten Arbeitnehmer von zwei Wochen eingehalten werden. Diese kann zu einem beliebigen Tag erfolgen.<\/p>\n<p>Wird durch den Arbeitsvertrag eine beiderseitige K\u00fcndigung erm\u00f6glicht, kann diese auch vom Arbeitgeber ausgehen. Dieser hat sich ebenfalls an die gesetzlichen Fristen zu halten.<\/p>\n<p><strong>Punkt 13<\/strong><\/p>\n<p><strong>Kosts und Logis<\/strong><\/p>\n<p>Wenn ihre Saisonkr\u00e4fte die Verpflegung und Unterkunft von einem Dritten bekommen, stellen Sie sicher, dass ihren Mitarbeitern ein Miet- oder Dienstleistungsvertrag zur Unterschrift vorgelegt werden.<\/p>\n<p>Wenn sie als Arbeitgeber ihren Mitarbeitern die Verpflegung und Unterkunft selbst stellen und dies vom Lohn abziehen, m\u00fcssen diese Positionen auf der Lohnabrechnung nachvollziehbar erscheinen. Denken Sie aber daran, dass die Kosten f\u00fcr Kosts und Logis direkt mit dem Lohn verrechnet werden, wenn das Gehalt der Person die so genannten Pf\u00e4ndungsgrenze \u00fcberschreitet.<\/p>\n<p>Im Jahr 2019 d\u00fcrfen sie f\u00fcr die Verpflegung maximal folgende Betr\u00e4ge monatlich anrechnen:<\/p>\n<p>F\u00fcr Fr\u00fchst\u00fcck 53,00 EUR, f\u00fcr Mittagessen 99,00 EUR und f\u00fcr Abendessen 99,00 EUR. Dies ergibt insgesamt einen Betrag von maximal 251,00 EUR im Monat.<\/p>\n<p>F\u00fcr die Unterkunft d\u00fcrfen sie maximal 231,00 EUR im Monat berechnet werden. Ist die Person allerdings mit mehreren Menschen in einem Zimmer untergebracht, dann \u00e4ndert sich der Betrag: bei zwei Menschen sind das 138,60 EUR, bei drei Menschen 115,50 EUR und bei mehr als drei Menschen 92,40 EUR.<\/p>\n","protected":false},"excerpt":{"rendered":"<p>Punkt 1 Der Arbeitsvertrag meines Saisonmitarbeiters Jeder Arbeitgeber in Deutschland ist gesetzlich verpflichtet, seinen Mitarbeiter*innen einen schriftlichen Arbeitsvertrag auszuh\u00e4ndigen. Dieser muss nicht in der Muttersprache des Arbeitnehmers\/der Arbeitnehmerin sein. Ein zweisprachiger Arbeitsvertrag kann allerdings die Kommunikation zwischen dem Vorgesetzten und der Saisonkraft erleichtern. F\u00fcr Ihre Saisonkr\u00e4fte aus dem Ausland gilt das deutsche Arbeitsrecht. 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